Trainingstherapie fürs Herz, Teil 2

Dipl. Sportwiss. Dr. med. Tomas Buchhorn ist Orthopäde, Sportmediziner, Manualtherapeut und Diplom Sportwissenschaftler. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen publiziert und Bücher geschrieben im Bereich Sportverletzungen und Ausdauersport. Durch die Betreuung von Sportlern aller Alters- und Leistungsklassen in den letzten 25 Jahren hat er einen tiefen Einblick in die Themen Training, Ernährung, Regeneration, Schlaf, mentale Vorbereitung und Motivation bekommen. Zudem kann er als „Babyboomer“ und den damit verbundenen wiederkehrenden Fragen zu den Themen Sport im Alter und Longevity profundes Wissen weitergeben. Die in diesem Podcast vorgestellten Themen stützen sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse und werden für den Zuhörer verständlich aufbereitet.

von
Dr. Tomas Buchhorn
February 15, 2026

Ziel:

Die Episode soll Hörenden einen klaren, evidenzbasierten Überblick geben, wie Training unter

Medikation (Betablocker, ACE‑Hemmer, NSAR) wirkt, welche Risiken nicht‑steroidale

Antirheumatika (NSAR) für das Herz‑Kreislauf‑System bergen und wie man nach Herzinfarkt, bei

Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern oder nach Infekten sicher zum Sport zurückkehrt. Dr. Tomas

Buchhorn und Prof. Dr. Timo Heidt erklären, welche Medikamente die Trainierbarkeit beeinflussen,

wie man Trainingsintensität unter Betablockern steuert und welche Pausenregeln nach Infekten

gelten (Neck Rule). Ziel ist, Hörerinnen und Hörer zu befähigen, trotz Medikation oder nach

kardialen Ereignissen sicher und effektiv zu trainieren.

Wissenschaftlicher Hintergrund:

Nicht‑steroidale Antirheumatika (NSAR) hemmen Prostaglandine, die für Gefäßregulation und

Nierenfunktion wichtig sind. Chronischer NSAR‑Gebrauch kann Vorhofflimmern induzieren, die

Nierenfunktion beeinträchtigen und die Durchblutung unter Belastung reduzieren. NSAR sollten bei

Arthrosepatienten kritisch hinterfragt werden; Sport unter hochdosierter NSAR‑Medikation ist

problematisch.

Betablocker senken die maximale Herzfrequenz und reduzieren die Leistungsfähigkeit („wie mit

angezogener Handbremse"). Sie sind nach Herzinfarkt und bei Herzinsuffizienz indiziert, aber für

reine Blutdrucktherapie gibt es oft bessere Alternativen (ACE‑Hemmer, AT1‑Antagonisten,

Aldosteronrezeptor‑Antagonisten). ACE‑Hemmer senken die Nachlast, erweitern Gefäße und

beeinträchtigen die Trainierbarkeit kaum.

Herzinsuffizienz ist eine Erkrankung, bei der die Pumpkraft des Herzens nachlässt. Ursachen:

Herzmuskelentzündung (jüngere Menschen), Herzinfarkt (mittleres Alter), genetische Faktoren.

Moderne Medikation (Betablocker, ACE‑Hemmer, Aldosteronrezeptor‑Antagonisten,

SGLT‑2‑Inhibitoren) verbessert die Leistungsfähigkeit. Regelmäßiges Ausdauertraining (Zone 2,

moderates Intervalltraining) reduziert Krankenhausaufenthalte und verbessert Mikrodurchblutung,

Mitochondriendichte und NO‑Produktion.

Return to Sport nach Infekt: 50 % aller Atemwegsinfekt‑Erreger (Adenoviren, Rhinoviren,

Coxsackie‑Viren) bergen mittleres bis hohes Risiko für Herzmuskelentzündung (Myokarditis).

Neck Rule: Symptome oberhalb des Halses (leichter Schnupfen) → Training möglich; Symptome

unterhalb des Halses (Bronchien, Erschöpfung) → Pause. Nach Infekt: mindestens 1 Woche

symptomfrei, dann schrittweiser Wiedereinstieg.

Beispiele:

• NSAR‑Gebrauch kritisch hinterfragen: Alternativen mit Arzt besprechen (z. B. Physiotherapie,

Krafttraining zur Gelenkstabilisierung)

• Betablocker‑Indikation prüfen: Bei reiner Blutdrucktherapie ggf. auf ACE‑Hemmer umstellen• Training unter Betablocker: Intensität nach Belastungs‑EKG steuern, nicht nach

Herzfrequenz‑Zonen

• Herzinsuffizienz: regelmäßiges Zone‑2‑Training (3× pro Woche 30–40 Minuten), moderates

Intervalltraining (kein Sprint‑Intervall)

• Return to Sport nach Infekt: Neck Rule anwenden, mindestens 1 Woche symptomfrei, dann

schrittweiser Wiedereinstieg (50 % Intensität, 50 % Dauer)

• Vorhofflimmern: regelmäßiges Ausdauertraining (Zone 2), Alkohol und NSAR meiden

Trainingsplan (Trainingstherapie fürs Herz):

Woche 1–2:

• Mindestens 1 Woche symptomfrei abwarten (nach Infekt)

• Schrittweiser Wiedereinstieg: 50 % der gewohnten Intensität, 50 % der gewohnten Dauer

• 3× pro Woche Zone‑2‑Training: 20–30 Minuten (Walking, Radfahren), Intensität: Unterhaltung

noch möglich

• Keine Intervalle, kein Sprint‑Training

• Ruhepuls morgens messen: bei Anstieg >6 Schläge über Baseline → Pause

Woche 3–4:

• 3× pro Woche Zone‑2‑Training: 30–40 Minuten

• Optional: 1× pro Woche moderates Intervalltraining (nur bei Herzinsuffizienz und guter

Verträglichkeit, kein Sprint)

• Training unter Betablocker: Intensität nach subjektivem Belastungsempfinden steuern, nicht nach

Herzfrequenz

• Regeneration: ausreichend Schlaf, Ruhepuls überwachen, bei Verschlechterung Arzt konsultieren

Reflexionsaufgaben:

• Welche Medikamente (NSAR, Betablocker, ACE‑Hemmer) nimmst du regelmäßig — und hast du

mit deinem Arzt besprochen, ob diese für deine sportlichen Ziele optimal sind?

• Wie gehst du mit Infekten um — wendest du die Neck Rule an, und wie lange pausierst du nach

Symptomfreiheit, bevor du wieder trainierst?

• Welche Symptome (Erschöpfung, Brustschmerzen, Herzrhythmusstörungen) würdest du als

Anlass nehmen, das Training zu unterbrechen und ärztlichen Rat einzuholen?

• Wie trainierst du unter Betablocker — steuerst du die Intensität nach Herzfrequenz oder nach

subjektivem Belastungsempfinden?

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