Ziel:
Die Episode soll Hörenden einen klaren, evidenzbasierten Überblick geben, welche
Check‑up‑Untersuchungen in verschiedenen Altersgruppen (ab 30, ab 40, ab 60 Jahre) wirklich
sinnvoll sind. Dr. Tomas Buchhorn und Prof. Dr. Timo Heidt erklären, welche Laborwerte,
bildgebenden Verfahren und funktionellen Tests zur Früherkennung kardiovaskulärer Risiken
beitragen, wie oft Kontrollen erfolgen sollten und welche Untersuchungen überflüssig oder sogar
irreführend sein können. Ziel ist, Hörerinnen und Hörer zu befähigen, informierte Entscheidungen
über ihre Vorsorge zu treffen und unnötige Kosten zu vermeiden.
Wissenschaftlicher Hintergrund:
Ein strukturierter Check‑up umfasst Anamnese, körperliche Untersuchung, EKG,
Blutdruckmessung und Labordiagnostik. Zu den wichtigsten Laborwerten gehören: Blutbild (ggf.
Differentialblutbild), Elektrolyte (Natrium, Kalium), Nierenfunktion (Kreatinin), Leberfunktion,
Nüchternblutzucker, HbA1c (Langzeitblutzucker), Lipidprofil (LDL, HDL, Triglyceride) und
hochsensitives CRP (hsCRP) als Marker für chronische, niedriggradige Entzündung. HsCRP‑Werte
zwischen 1–3 mg/L sind mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko assoziiert.
Ab dem 40. Lebensjahr sind Herzultraschall (Echokardiographie) und Belastungs‑EKG sinnvoll,
um strukturelle Auffälligkeiten (Herzklappenprobleme, Herzmuskelverdickung) und
Belastungsreaktionen (Blutdruck, Herzfrequenz, EKG‑Veränderungen) zu erfassen. Bei erhöhtem
Risiko oder ab 60 Jahren kann ein Calcium‑Score (CT) zur Beurteilung der Koronarkalkbelastung
erwogen werden. Ganzkörper‑MRT und Stress‑Echokardiographie sind spezialisierten
Fragestellungen vorbehalten.
Insulinresistenz steigt mit Alter und Übergewicht; HbA1c‑Werte >6,5 % definieren Diabetes, Werte
zwischen 5,7–6,4 % gelten als Prädiabetes. GLP‑1‑Agonisten (z. B. Semaglutid) sind bei Diabetes
und adipositasassoziierten Erkrankungen zugelassen, Metformin verbessert die Insulinsensitivität
mit geringeren Nebenwirkungen.
Beispiele für Aktivitäten:
• Jährliche Basislabordiagnostik ab 35 Jahren (Blutbild, Elektrolyte, Nieren‑, Leberwerte,
Nüchternblutzucker, HbA1c, Lipidprofil, hsCRP)
• Belastungs‑EKG ab 40 Jahren zur Beurteilung von Blutdruck‑ und Herzfrequenzverhalten unter
Last
• Herzultraschall (Echokardiographie) ab 40 Jahren bei Risikofaktoren oder alle 2–3 Jahre zur
Verlaufskontrolle
• Calcium‑Score (CT) ab 60 Jahren oder bei erhöhtem kardiovaskulärem Risiko• Regelmäßige Blutdruckmessung zu Hause (morgens und abends) zur Früherkennung latenter
Hypertonie
• Abdomen‑Ultraschall zur Früherkennung von Gallensteinen, Nierensteinen und strukturellen
Auffälligkeiten
• VO2max‑Test bei sportlich Aktiven zur Trainingssteuerung und Leistungsbeurteilung
Wissenschaftliche Studien:
Große weltweite Bevölkerungsdaten zeigen, dass 5 einfache Faktoren für fast 50% aller
kardiovaskulären Erkrankungen verantwortlich sind
Große Korrelationsstudien zeigen, dass ab einem oberen Blutdruckwert von 130 mmHg das
kardiovaskuläre Schädigungsrisiko deutlich ansteigt
Eine große Kohortenstudie mit 13.000 Patienten (MESA-Studie) zeigte, dass vor allem Patienten
mit einem Calcium Score über 100 von einer Statin-Therapie profitieren
Studien zur Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren zeigten keinen einheitlich nachgewiesenen
protektiven Effekt auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit
Aktionssplan
Termin beim Hausarzt oder Kardiologen vereinbaren für Basislabor (nüchtern)
Blutdruckmessung zu Hause etablieren: morgens und abends je 2–3 Messungen, Mittelwert notieren
Anamnese vorbereiten: Familiengeschichte, Vorerkrankungen, aktuelle Beschwerden
dokumentieren
Optional: VO2max‑Test bei sportmedizinischer Einrichtung buchen
Laborergebnisse besprechen, Risikoprofil klären (LDL, HbA1c, hsCRP)
Bei Auffälligkeiten: Belastungs‑EKG und Herzultraschall planen
Ernährungs‑ und Bewegungsgewohnheiten anpassen (z. B. Zuckerreduktion, regelmäßiges
Ausdauertraining)
Wiederholungsintervall festlegen: bei unauffälligen Werten jährlich, bei Risikofaktoren halbjährlich
Reflexionsaufgaben:
• Welche Vorsorgeuntersuchungen hast du in den letzten zwei Jahren durchführen lassen — und
welche fehlen noch?
• Welche Risikofaktoren (Familiengeschichte, Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin)
treffen auf dich zu, und welche Konsequenzen ziehst du daraus?
• Wie regelmäßig misst du deinen Blutdruck zu Hause, und welche Muster erkennst du (z. B.
morgendliche Spitzen, Belastungsreaktionen)?
• Welche Laborwerte (z. B. HbA1c, hsCRP, LDL) möchtest du gezielt verbessern, und welche
Lebensstiländerung setzt du diese Woche um?
