Stress, Schlaf und Psyche: Auswirkungen auf die Herzgesundheit

Dipl. Sportwiss. Dr. med. Tomas Buchhorn ist Orthopäde, Sportmediziner, Manualtherapeut und Diplom Sportwissenschaftler. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen publiziert und Bücher geschrieben im Bereich Sportverletzungen und Ausdauersport. Durch die Betreuung von Sportlern aller Alters- und Leistungsklassen in den letzten 25 Jahren hat er einen tiefen Einblick in die Themen Training, Ernährung, Regeneration, Schlaf, mentale Vorbereitung und Motivation bekommen. Zudem kann er als „Babyboomer“ und den damit verbundenen wiederkehrenden Fragen zu den Themen Sport im Alter und Longevity profundes Wissen weitergeben. Die in diesem Podcast vorgestellten Themen stützen sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse und werden für den Zuhörer verständlich aufbereitet.

von
Dr. Tomas Buchhorn
February 22, 2026

Ziel:

Diese Episode soll Hörerinnen und Hörern verdeutlichen, wie eng Psyche, Stress und Schlaf mit der

Herzgesundheit verknüpft sind. Dr. Tomas Buchhorn und Prof. Dr. Timo Heidt zeigen auf, dass das

Herz Teil eines komplexen Netzwerks ist, in dem die Amygdala als Stressbewertungszentrum

fungiert und bei chronischer Fehlbewertung von Situationen das Herz-Kreislauf-System schädigen

kann. Die Episode vermittelt, wie chronischer Stress und Schlafmangel über die HPA-Achse,

erhöhte Cortisolspiegel und gestörte zirkadiane Rhythmik zu Bluthochdruck, Entzündungen und

kardiovaskulären Erkrankungen führen. Zugleich werden konkrete Strategien vorgestellt:

Biofeedback-Training, Atemtechniken, Schlafhygiene und die gezielte Nutzung von

Regenerationsphasen, um das parasympathische Nervensystem zu stärken und die Herzgesundheit

langfristig zu schützen.

Wissenschaftlicher Hintergrund:

Das Herz ist kein isoliertes Organ, sondern eingebettet in ein neurobiologisches Netzwerk, das von

der Psyche gesteuert wird. Die Amygdala im Gehirn bewertet Situationen als Bedrohung oder

Sicherheit. Bei wahrgenommener Gefahr aktiviert sie die HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-

Nebennierenrinden-Achse), was zur Ausschüttung von Cortisol und Katecholaminen führt. Diese

Stresshormone erhöhen Herzfrequenz, Blutdruck und mobilisieren das Immunsystem – evolutionär

sinnvoll bei akuter Gefahr, problematisch bei chronischer Aktivierung. Chronischer Stress führt zu

einer Daueraktivierung des sympathischen Nervensystems. Das Cortisol bleibt erhöht, der

zirkadiane Rhythmus wird gestört, und der nächtliche Blutdruckabfall (Dipping) bleibt aus. Non-

Dipping ist ein unabhängiger Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Zudem aktiviert

chronischer Stress Stammzellen im Knochenmark, die vermehrt Immunzellen produzieren. Diese

wandern in atherosklerotische Plaques ein und fördern Entzündungsprozesse, die zur

Plaqueinstabilität und letztlich zum Herzinfarkt führen können. Schlafmangel verstärkt diese

Mechanismen. Während des Tiefschlafs regeneriert der Körper, das Immunsystem wird moduliert,

und Wachstumshormone werden ausgeschüttet. Fehlt ausreichender Schlaf, steigt das Risiko für

koronare Herzerkrankungen signifikant. Studien zeigen eine klare Korrelation zwischen kurzem

Schlaf (unter 7 Stunden) und erhöhtem kardiovaskulärem Risiko. Schlafapnoe, eine häufige

Schlafstörung, wirkt als unbewusster Stressor und verhindert den nächtlichen Blutdruckabfall. Die

Herzfrequenzvariabilität (HRV) ist ein Marker für die Balance zwischen Sympathikus und

Parasympathikus. Eine hohe HRV zeigt gute Anpassungsfähigkeit und Regenerationsfähigkeit an.

Chronischer Stress und Schlafmangel senken die HRV, was mit erhöhter Mortalität assoziiert ist.

Interventionen wie Biofeedback, Atemtechniken und regelmäßiger Schlaf können die HRV

verbessern und damit die Stressresilienz erhöhen.

Beispiele:

• Täglich 10 Minuten Atemübungen zur Aktivierung des Parasympathikus (z. B. 4-7-8-Atmung

oder Box-Breathing)

• Biofeedback-Training zur Verbesserung der Herzfrequenzvariabilität, 2–3× pro Woche• Feste Schlafenszeiten einhalten, auch am Wochenende, um die zirkadiane Rhythmik zu

stabilisieren

• Morgens 15–30 Minuten Tageslichtexposition (Fenster, Balkon oder draußen) zur

Synchronisation der inneren Uhr

• Abends Bildschirmzeit reduzieren, mindestens 1 Stunde vor dem Schlafengehen Kurze

• Spaziergänge ohne Smartphone zur Stressreduktion und Förderung der Achtsamkeit Regelmäßige

• Entspannungsphasen einplanen: Meditation, progressive Muskelentspannung oder Yoga

• Schlafhygiene optimieren: dunkles, kühles Schlafzimmer, keine Stimulanzien am Abend

• Bei Stress bewusst Pausen einlegen und auf die eigene Atmung achten

Wissenschaftliche Studien (RCTs & hochwertige Evidenz)

1. Cohen et al. 2009, Archives of Internal Medicine

Personen mit weniger als 7 Stunden Schlaf hatten ein dreimal höheres Risiko für Erkältungen im

Vergleich zu jenen mit über 8 Stunden Schlaf

2. Schubert et al. 2019, Journal of Clinical Psychology

Tägliche 20-minütige Resonanzatmung erhöhte die HRV um 16 Prozent, senkte Cortisol und

steigerte VO2max um 5 Prozent in 6 Wochen

3. Lehrer et al. 2020, Applied Psychophysiology and Biofeedback

8 Wochen HRV-Training verbesserten Stressresilienz, Schlafqualität und subjektive Trainingslust

4. Blumenthal et al. 1999, Archives of Internal Medicine

12-wöchiges Bewegungsprogramm war ebenso wirksam wie Antidepressiva bei Depression, mit

weniger Rückfällen

5. Walker et al. 2017, Nature Reviews Neuroscience

Schlafentzug beeinträchtigt Immunfunktion, Gedächtniskonsolidierung und emotionale

Regulation

Trainingsplan :

Woche 1–2:

• Täglich 5–10 Minuten Atemübungen (z. B. 4-7-8-Atmung) zur Parasympathikus-Aktivierung

• Feste Schlafenszeiten etablieren, 7–8 Stunden Schlaf anstreben

• Morgens 15 Minuten Tageslichtexposition (Fenster oder draußen)

• Abends 1 Stunde vor dem Schlafengehen Bildschirmzeit reduzieren

• 1× pro Woche Biofeedback-Training oder geführte Meditation (10–15 Minuten)Ruhepuls

morgens messen: bei Anstieg >6 Schläge über Baseline → PauseWoche 3–4:

• Atemübungen auf 10–15 Minuten täglich steigern, verschiedene Techniken ausprobieren (Box-

Breathing, kohärente Atmung)

• Biofeedback-Training auf 2–3× pro Woche erhöhen

• Schlafhygiene weiter optimieren: dunkles, kühles Schlafzimmer, keine Stimulanzien am Abend

• Tägliche Spaziergänge ohne Smartphone (15–20 Minuten) zur Stressreduktion

• Reflexion der eigenen Stressreaktionen: Tagebuch führen, Trigger identifizieren

• Regenerationsphasen bewusst einplanen: kurze Pausen im Alltag, Achtsamkeitsübungen

Reflexionsaufgaben:

• Wie reagiert mein Körper auf Stress, und welche körperlichen Signale nehme ich wahr (z. B.

erhöhter Puls, flache Atmung, Anspannung)?

• Welche Situationen oder Gedankenmuster aktivieren bei mir die Amygdala, und wie kann ich

diese bewusst umdeuten oder entschärfen?

• Wie ist meine Schlafqualität in den letzten Wochen, und welche Faktoren beeinflussen meinen

Schlaf positiv oder negativ?

• Welche konkreten Maßnahmen kann ich in meinen Alltag integrieren, um mein

parasympathisches Nervensystem zu stärken und meine Herzgesundheit langfristig zu schützen?

Download PDF

Die neuesten Folgen direkt bei euch

Thank you! Your submission has been received!
Oops! Something went wrong while submitting the form.
🎉 2101 Aktive Abonnenten
cancel

Search podcasts, blog posts, people

Heading

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Suspendisse varius enim in eros elementum tristique. Duis cursus, mi quis viverra ornare, eros dolor interdum nulla, ut commodo diam libero vitae erat. Aenean faucibus nibh et justo cursus id rutrum lorem imperdiet. Nunc ut sem vitae risus tristique posuere.

by
Text Link
This is some text inside of a div block.