Prävention und was Medikamente für die Herzgesundheit leisten können

Dipl. Sportwiss. Dr. med. Tomas Buchhorn ist Orthopäde, Sportmediziner, Manualtherapeut und Diplom Sportwissenschaftler. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen publiziert und Bücher geschrieben im Bereich Sportverletzungen und Ausdauersport. Durch die Betreuung von Sportlern aller Alters- und Leistungsklassen in den letzten 25 Jahren hat er einen tiefen Einblick in die Themen Training, Ernährung, Regeneration, Schlaf, mentale Vorbereitung und Motivation bekommen. Zudem kann er als „Babyboomer“ und den damit verbundenen wiederkehrenden Fragen zu den Themen Sport im Alter und Longevity profundes Wissen weitergeben. Die in diesem Podcast vorgestellten Themen stützen sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse und werden für den Zuhörer verständlich aufbereitet.

von
Dr. Tomas Buchhorn
March 1, 2026

Ziel:

Diese Episode soll Hörerinnen und Hörer befähigen, informierte Entscheidungen über

medikamentöse Therapien im Bereich der Herz-Kreislauf-Prävention zu treffen. Sie verdeutlicht,

warum Visualisierung von Gefäßveränderungen die Therapieakzeptanz erhöht, welche

Nahrungsergänzungsmittel evidenzbasiert wirken und welche nicht, und wie ein strukturiertes

Stufenschema bei der Cholesterinsenkung zum Einsatz kommt. Die Episode zeigt auf, dass

Medikamente wie Statine, Ezetimib und PCSK9-Inhibitoren bei korrekter Indikation Leben retten

können, während Nahrungsergänzungsmittel zur Cholesterinsenkung von europäischen Leitlinien

nicht empfohlen werden. Zudem wird das Konzept der Cholesterinjahre erklärt und wie GLP-1-

Hemmer bei Übergewicht nach kardiovaskulären Ereignissen schützend wirken. Die Episode

ermutigt dazu, Risikofaktoren ernst zu nehmen und gemeinsam mit dem Arzt individuelle

Therapieziele zu definieren.

Wissenschaftlicher Hintergrund:

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache. Die Prävention basiert auf

der Kontrolle von Risikofaktoren, insbesondere erhöhter LDL-Cholesterinwerte und Bluthochdruck.

LDL-Cholesterin lagert sich in Gefäßwänden ab und führt zur Plaquebildung, die Herzinfarkte und

Schlaganfälle verursachen kann. Das Konzept der Cholesterinjahre beschreibt die kumulative

Belastung über die Lebenszeit: Bei normalen LDL-Werten von 100-120 mg/dl erreicht man um das

60. Lebensjahr eine kritische Schwelle, ab der Gefäßerkrankungen entstehen.

Die Zielwerte unterscheiden sich je nach Risikoprofil. In der Primärprävention wird ein LDL unter

100 mg/dl angestrebt, bei bestehender Gefäßerkrankung unter 70 mg/dl und bei Hochrisikopatienten

unter 55 mg/dl. Studien zeigen, dass Plaques bei LDL-Werten unter 55 mg/dl schrumpfen können.

Die hausärztliche Fachgesellschaft setzt die Therapieschwelle bei 195 mg/dl an, Kardiologen bereits

ab 145-150 mg/dl.

Statine sind die Basistherapie und senken nicht nur LDL, sondern haben auch

entzündungshemmende Eigenschaften. Bei unzureichender Wirkung folgen Ezetimib,

Bempedoinsäure und PCSK9-Inhibitoren. Letztere kommen nur bei nachgewiesener

Gefäßerkrankung zum Einsatz.

Nahrungsergänzungsmittel zur Cholesterinsenkung werden von der Europäischen Gesellschaft für

Kardiologie als Klasse 3 eingestuft und nicht empfohlen. Omega-3-Fettsäuren zeigen in

Metaanalysen keine protektive Wirkung, hohe Dosen können sogar Vorhofflimmern auslösen.

Polyphenole, Granatapfel und Traubenkernextrakte haben keine randomisierten Studien mit

positivem Nachweis.

GLP-1-Hemmer zeigen im SELECT-Trial bei Patienten mit BMI über 26 nach kardiovaskulärem

Ereignis eine Risikoreduktion. Der Mechanismus wirkt über Reduktion von Entzündungen im

viszeralen Fettgewebe und Verbesserung der Fettleber. Ohne erhöhten BMI gibt es keine Evidenz

für eine kardioprotektive Wirkung.Colchicin, bekannt aus der Gichttherapie, wird in niedriger Dosis (0,5 mg/Tag) bei

Hochrisikopatienten mit erhöhtem hsCRP (über 2 mg/L) trotz optimaler Lipidtherapie eingesetzt.

Die Effektstärke wird noch diskutiert, bildgebende Studien zeigen positive Effekte auf Plaques.

HDL-Cholesterin medikamentös zu erhöhen ist in Studien gescheitert. Natürliche Erhöhung gelingt

durch mediterrane Ernährung, Schlafbalance und Stressreduktion.

Beispiele:

• Ultraschall der Halsschlagader durchführen lassen zur Visualisierung von Plaques

• Cardio-CT zur Darstellung von Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen nutzen

• Netzhautuntersuchung bei Bluthochdruck zur Beurteilung mikrovaskulärer Veränderungen

• Mediterrane Ernährung mit Olivenöl, Avocado und Fisch für natürliche Omega-3-Zufuhr

• Schlafhygiene optimieren statt dauerhaft Melatonin einzunehmen

• Stressreduktion durch Achtsamkeitsübungen zur Verbesserung des LDL-HDL-Verhältnisses

• Gewichtsreduktion bei Übergewicht für 10-20% Cholesterinsenkung

• Regelmäßige Lipidwert-Kontrollen ab dem 30. Lebensjahr

• Familienanamnese erheben als Surrogatparameter für genetisches Risiko

• Gemeinsam mit dem Arzt individuelle Therapieziele definieren

Praxisprogramm:

Woche 1–2:

• Arzttermin vereinbaren zur Bestimmung von LDL, HDL, Gesamtcholesterin, hsCRP

• Familienanamnese dokumentieren: Herzerkrankungen bei Verwandten ersten Grades

• Ernährungsprotokoll führen: Omega-3- und Omega-6-Quellen identifizieren Mediterrane

• Ernährung einführen: täglich Olivenöl, 2×/Woche fetter Fisch Schlafhygiene etablieren: feste

• Zeiten, Bildschirmverzicht 1 Stunde vor dem Schlaf

Woche 3–4:

• Bei erhöhten Werten Visualisierung besprechen: Ultraschall Halsschlagader oder Cardio-CT

• Statintherapie bei Indikation beginnen, Nebenwirkungen dokumentieren

• Gewichtsreduktion bei BMI >26: 300-500 kcal Defizit täglich

• Stressreduktion: täglich 10 min Atemübungen oder Meditation

• Nahrungsergänzungsmittel kritisch prüfen: Omega-3 nur bei nachgewiesenem Mangel, keine

Cholesterinsenker

• Kontrolle nach 6-8 Wochen: Lipidwerte, Verträglichkeit, Anpassung der Therapie

Reflexionsaufgaben:

• Welche Visualisierungsmethode würde mich am meisten motivieren, eine medikamentöse

Therapie konsequent durchzuführen, und warum?

• Wie bewerte ich das Verhältnis zwischen dem Nutzen einer Statintherapie und möglichen

Nebenwirkungen wie Muskelschmerzen oder einem leicht erhöhten Diabetesrisiko?• Welche Nahrungsergänzungsmittel nehme ich aktuell ein und gibt es dafür eine evidenzbasierte

Grundlage im Bereich der Herz-Kreislauf-Prävention?

• Wie kann ich mein HDL-Cholesterin auf natürliche Weise erhöhen, ohne auf gescheiterte

medikamentöse Ansätze zurückzugreifen?

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